Fantasien · Geschichten aus dem Leben

Wie ich mich in einen Pfarrer verliebte

Hallgrímskirkja - Island - Iceland
Hallgrímskirkja – eine Kirche in Reykjavik*

Kürzlich entschloss ich mich, wieder einmal in eine Kirche zu gehen. Gerüchteweise habe ich erfahren, dass die Gemeinde, der ich nicht angehöre, einen neuen Pfarrer bekommen hat.

Gleich beim Eintreffen begrüsste mich die Haushälterin des Pfarrers mit einem bestimmten aber zärtlichen Händedruck. Wow! Sie führte mich auch gleich noch zu den 37 (geschätzt) anwesenden (vermutlich) MitgliederInnen der Gemeinde. Es wurde über viel gesprochen, wie ich wahrnehmen konnte. Themen war natürlich der Sonntag Nachmittag (wo gibt es K&K**?), haben die Enkelkinder schon gebastelt, im Kindergarten. Hanny, ja, Hanny, wie geht es ihr. Fühlt sie sich wohl, im Alters- und Pflegeheim „Zur Neuen Heimat“. Und dann natürlich noch die Erhöhung der Krankenkassen-Prämie 2017. Hast du schon gewechselt? Nicht? Dann gute Nacht und teures zu viel Zahlen bis November 2017.

Doch vor lauter Zuhören, habe ich meine Begleiterin völlig vergessen. Die Haushälterin führte mich zum Herrn Pfarrer Heinrich von Pfaffenhausen. Bevor sie mich vorstellen konnte meinte dieser mit feiner, fast engelhafter Stimme: Heinrich, rufen Sie mich einfach Heinrich.

Heinrich! Ich musste mich richtig zurück halten. Diese Stimme, diese arisch-blonden Haare, dieser laszive Gang, der vermutete Körper. Ein Bild, ein göttliches Bild das sich mir ofenbarte. Plötzlich umfasste mich ein wärmendes Gefühl. Ich setzte mich auf die Kante einer Holzbank, als müsste ich sofort für einen Sprung bereit sein. Das Gebetsbuch ausser Reichweite. Ich brachte keinen Ton mehr raus, wollte  nur ihn hören, ihn – den Heinrich. Und da stand er nun, beim Altar. Würdig, lichtumflutet, feinstofflich. Seine Worte erklangen im Zeitenraum.

Plötzlich war mir als würde jemand mich zu Kaffee und Kuchen einladen, im Gemeindesaal. Plötzlich stand er nun neben mir. Ich stellte mir vor, er fasst meine Hand, umklammert sie, führt mich. Konnte ich vorher nicht singen, so kann ich jetzt nicht mehr sprechen. Ich fühlte mich sang-und-klanglos.

Doch dann erwachte ich aus meinem Traum. Gewaltige Glockenklänge, lautes Stühlerücken und Frau Haushälterin meinte nur noch: „Wehrter Herr, wir schliessen die Kirche in 10 Minuten“

* Symbolbild und steht in keinem Zusammenhang mit der Geschichte (Foto: Roger Levy)
**Kaffee und Kuchen

Hintergrund für diese Geschichte ist auf Zentral+ zu finden (hier).