Archiv · Familienleben · Jüdisches Leben

1910, Fortsetzung Privat-Archiv Teil 5

Immer wenn ich über meine Familie gedanklich stolpere, Fotos betrachte, gehen mir die Zeiten durch den Kopf die sie erleben mussten. Manchmal sind es traurige Anlässe, aber es gibt auch witziges. Doch was in der historischen Rückschau sich vordrängt belastet. Dank verschiedenen Büchern, gemischt mit Aussagen die sich mir durch meine Mutter eingebrannt haben, entstehen immer wieder Bilder. Heute wollte ich wissen, was 1935, im Dezember im „Deutschen Reich“ vorgefallen ist.

Hier 2 Erwähnungen:
Der Reichsführer SS Heinrich Himmler ordnete an, dass spezielle Mütterheime geschaffen werden, die wertvolle Schwangere (rassisch und erbbiologisch ist gemeint) aufgenommen und betreut werden.

Die deutsche Regierung entliess die letzten jüdischen Beamten aus dem öffentlichen Dienst.

Das Foto aus meinem Familien-Archiv zeigt die Familie meiner Urgrossmutter (mütterlicherseits). Die Aufnahme entstand in den frühen 1910er Jahren in Polen. Den Ort konnte ich nicht mehr eruieren.Meine Urgrossmutter ist die Dame in der obersten Reihe, die 4. von Links.

Archiv · Familie

Luzern, 1928, Fortsetzung Privat-Archiv Teil 3

Meine Grossmutter Fanny belegt in meinem Leben eine grosse Präsenz, bin ich doch in ihrer Obhut fast vollständig aufgewachsen. Sie war es, die eigentlich die ganze Familie zusammen geführt und geleitet hat. Kaufmännisch war mein Grossvater Abry zuständig, für die Richtung der Entwicklung, z.B. meiner Mutter, Oma. Und so ist es auch dazu gekommen, dass Abry seinen Job bei der Luzerner Privat-Bank kündigte und nach Zürich an die Anwandstrasse gezogen ist.

Natürlich war es nicht nur die Liebe, die diesen Entschluss forderte. Oma war mit meiner Mutter schwanger. Ob mein Grossvater dies bereits wusste, als er noch in Luzern lebte, konnte ich nicht in Erfahrung bringen, da das Thema tabu war. Über solches spricht „man“ in einer jüdischen Familie nicht. Dies musste ich auch als Jugendlicher erfahren, als es um Aufklärung ging. Na gut. Ihr kennt das ja. Die Strasse war / ist das grösste Google, oder so …

Wir sind also jetzt einen Schritt weiter gekommen. Stand der Dinge: Opa und Oma wohnen in Zürich, meine Mutter hat sich angekündigt und die wirtschaftliche Zukunft wurde eingeläutet.

Das Foto: Die Örtlichkeit dürfte Luzernern bei näherem Hinschauen bekannt vorkommen. Rechts die Langensandbrücke, Richtung Bundesplatz.