BiographieLageer

Lager sind Orte der Biographie: Teil 10

Wir schreiben das Jahr 1962, ich war in der 3. Primarklasse und wenig Interesse an Büchern. Gut, wenn es viele Bilder und wenig Seiten hat, das Buch, konnte ich schon mal rein schauen. Mehr aber nicht. Erst in der 4., 5. Klasse änderte sich das, schlagartig. Ich entdeckte bei einem Schulfreund Karl May-Bücher. Wer bitte ist dieser Karl fragte ich den Freund und er begann mir in einem regelrechten Redefluss zu berichten. Es hörte sich so an, als wäre er selbst dabei gewesen. Er erzählte mir von Cowboys, Indianer, von bösen und von guten Männern. Von einem Indianer-Häuptling und einem Deutschen mit einem speziellen Gewehr. Von Männern, die sich nicht mögen, von Indianern, die sich betrügen liessen.

NB: Der Titel nimmt Bezug auf die Räumung eines Lagers, dass vor ca. 15 Jahren von meiner Frau eingerichtet wurde und ich nie betreten habe. Jetzt wird der Raum leer geräumt und spannende Fundstücke veröffentliche ich hier.

Archiv · Familie

Biografie mit Kaufquittungen erstellen

Quittung zum Kauf eines Rings in Israel von 1979

Es ist erst 3 Jahre her, dass meine Mutter verstorben ist. Sie hat mir alles mögliche hinterlassen, meistens zuverlässig geordnet und bezeichnet. Es handelt sich um ein Familien-Archiv über mehrere Generationen. Fotos und Dokumente sind üblich. Nicht so Kauf-Quittungen und Bankbelege, über die 10 Jahre Aufbewahrungspflicht hinaus.

Dadurch werde ich in die Lage versetzt, einen grossen Zeitraum ihres Lebens zu rekonstruieren. Plötzlich kann ich zum Beispiel feststellen, dass sie am Freitag, 20. Juli 1979 (20. Juli – Geburtstag meiner Mutter – gerade festgestellt!!) in Nathanya / Israel einen Ring gekauft hat. Sie muss also in Israel ihre Ferien verbracht, möglicherweise auch Verwandte besucht haben.

Doch wer lebte damals noch von unseren Verwandten in Israel? Wie ich von meiner Mutter mal erfahren habe, war vor allem unser „deutscher Stamm“ vor den Nazis ins „gelobte Land“ gezogen. Eine kleine Minderheit hat es nach Amerika verschlagen.
Nur meine nächsten Verwanden sind bereits um die Jahrhundertwende, also anfangs 20. Jahrhundert, Richtung Schweiz gezogen, aber nicht aus Deutschland, sondern aus Polen.

Quittungen, Kauf-Quittungen! Ein Stück Papier, dass wir heute meistens schon an der Kasse liegen lassen oder spätestens zu Hause entsorgen. Ein Stück Papier, dass den Lebensgang eines Menschen nachzuzeichnen vermag. Ich bin dran.