Fantasien

Spionage beginnt auf dem Kopf

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* Foto: PROPACK CAMERA + PROFLASH (1977), Film: Fujifilm fp-100C

In den letzten Monaten wurde viel von Spionage und Überwachung geschrieben und gesprochen. Das ganze hört nicht auf, weil der Vorwand „Sicherheit“ in aller Munde, bzw. in allen Tastaturen zu finden ist. Natürlich will man uns weismachen,  dass es wirklich nur um den Kampf gegen den Terrorismus geht. Denn dieser ist, so sagt frau, die grösste Gefahr für unsere Freiheit, aktuell.

Irgend wie geht das schon so weit, dass an jeder Ecke, an jedem Ort die Gefahren „lauern“ und hastig nach Hilfe gesucht wird. Jede Kamera an der Hauswand, beim Bahnhofseingang, an einer Verkehrsampel kann zum rettenden Anker werden.

Und dann steht meine Frau an einem Gemüsestand in der Luzerner Altstadt. Greift zu Fenchel, zu Rüebli, zu Radieschen, zu Kohlrabi. Kohlrabi!? Das ist doch kein Kohlrabi, das ist ein Satellit muss ich feststellen, als die Einkaufstüte zu Hause gelehrt wird. Bevor ich diese Erkenntnis aussprechen kann, ist es passiert. Das erwähnte „Gemüse“ macht sich selbständig und rollt davon. Zuerst langsam, dann immer schneller und > zack > weg ist er. Ich spüre ein eigenartiges Summen, einen Druck auf die Schädeldecke. Meine Mütze verschiebt sich. Dann blitzt es gewaltig. Ich bin für mehre Sekunden, oder gar Minuten blind.

Dann traue ich meinen Augen nicht mehr. Ich bekomme ein Foto vorgesetzt und muss erkennen, dass sich ein Sender auf meinen Kopf gesetzt hat, sich durch die Mütze hindurch ansaugt.

Mehr will ich nicht mehr wissen. Mehr ist mir zuviel. Ich stelle fest, dass ich jetzt auch dazu gehöre und Widerstand wohl zwecklos geworden ist.

Doch wie werden meine Freundinnen und Freunde reagieren? Datenschutz, politisch verordnet, reicht nicht, niemals. Hilfe.

Fantasien · Geschichten aus dem Leben

Wie ich mich in einen Pfarrer verliebte

Hallgrímskirkja - Island - Iceland
Hallgrímskirkja – eine Kirche in Reykjavik*

Kürzlich entschloss ich mich, wieder einmal in eine Kirche zu gehen. Gerüchteweise habe ich erfahren, dass die Gemeinde, der ich nicht angehöre, einen neuen Pfarrer bekommen hat.

Gleich beim Eintreffen begrüsste mich die Haushälterin des Pfarrers mit einem bestimmten aber zärtlichen Händedruck. Wow! Sie führte mich auch gleich noch zu den 37 (geschätzt) anwesenden (vermutlich) MitgliederInnen der Gemeinde. Es wurde über viel gesprochen, wie ich wahrnehmen konnte. Themen war natürlich der Sonntag Nachmittag (wo gibt es K&K**?), haben die Enkelkinder schon gebastelt, im Kindergarten. Hanny, ja, Hanny, wie geht es ihr. Fühlt sie sich wohl, im Alters- und Pflegeheim „Zur Neuen Heimat“. Und dann natürlich noch die Erhöhung der Krankenkassen-Prämie 2017. Hast du schon gewechselt? Nicht? Dann gute Nacht und teures zu viel Zahlen bis November 2017.

Doch vor lauter Zuhören, habe ich meine Begleiterin völlig vergessen. Die Haushälterin führte mich zum Herrn Pfarrer Heinrich von Pfaffenhausen. Bevor sie mich vorstellen konnte meinte dieser mit feiner, fast engelhafter Stimme: Heinrich, rufen Sie mich einfach Heinrich.

Heinrich! Ich musste mich richtig zurück halten. Diese Stimme, diese arisch-blonden Haare, dieser laszive Gang, der vermutete Körper. Ein Bild, ein göttliches Bild das sich mir ofenbarte. Plötzlich umfasste mich ein wärmendes Gefühl. Ich setzte mich auf die Kante einer Holzbank, als müsste ich sofort für einen Sprung bereit sein. Das Gebetsbuch ausser Reichweite. Ich brachte keinen Ton mehr raus, wollte  nur ihn hören, ihn – den Heinrich. Und da stand er nun, beim Altar. Würdig, lichtumflutet, feinstofflich. Seine Worte erklangen im Zeitenraum.

Plötzlich war mir als würde jemand mich zu Kaffee und Kuchen einladen, im Gemeindesaal. Plötzlich stand er nun neben mir. Ich stellte mir vor, er fasst meine Hand, umklammert sie, führt mich. Konnte ich vorher nicht singen, so kann ich jetzt nicht mehr sprechen. Ich fühlte mich sang-und-klanglos.

Doch dann erwachte ich aus meinem Traum. Gewaltige Glockenklänge, lautes Stühlerücken und Frau Haushälterin meinte nur noch: „Wehrter Herr, wir schliessen die Kirche in 10 Minuten“

* Symbolbild und steht in keinem Zusammenhang mit der Geschichte (Foto: Roger Levy)
**Kaffee und Kuchen

Hintergrund für diese Geschichte ist auf Zentral+ zu finden (hier).