Gebrauchsanweiungen

Wo Heilmittel nicht heilen – Gebrauchsanleitungen

Du kennst das. Mit viel Freude packst du deine Neuerwerbung aus. Zumindest unternimmst du den Versuch. Doch kann es oft schon los gehen, mit den Problemen. Die Verpackung ist derart verklebt, dass du eine Säge benutzen musst. Und wenn du dann endlich den grössten Schritt voran gekommen bist, musst du dich durch das Verpackungsmaterial im Karton vor kämpfen. Dabei erlebst du die Tücken der verschiedenen Materialien. Kein HonigSchlecken.

Du kennst das. Das lang ersehnte Produkt steht „hüllenlos“ vor dir und will in Betrieb genommen werden. Will, aber wie. Die Lösung – die Bauanleitung. Bereits die 2 Säckchen mit jeder Menge Schrauben und undefinierbarem Zubehör hat dich schon misstrauisch gemacht. Dir schwant unheilvolles.

Tja. du kennst das. Die Anleitung ist die nächste Herausforderung. Ich möchte sie in deutscher Sprache. Schön und gut. Seite 142 – 198 hilft. Genauer nach den Warnhinweisen und Garantievorschriften gehts los.

Denkste. Zuerst wird empfohlen, eine Inventur zu erstellen. Alles da. Glück gehabt. Ab zur Seite 151. Die Grundlage ist eigentlich ganz einfach, problemlos. Nur fehlt noch das ergänzende Werkzeug. Die üblichen verdächtigen Inbusschlüssel sind da. Der Hammer, die Zange, der Kreuzschraubenzieher usw. muss noch organisiert werden. Schwierig. Du beginnst mit der Improvisation. Nach Angabe sollte der Zusammenbau ohne Hilfskraft innert einer halben Stunde möglich sein. Nach zwei Stunden stehst du stolz vor deinem Werk. Alles klar. Was die verbleiben Schrauben und diese eigenartigen KunststoffTeile bedeuten, wird dir ein ewiges Rätsel bleiben.

Du kennst das. Du gehst die Gebrauchsanweisung durch. Und schon geht es wieder von vorne los. Eine weitere Broschüre liegt bei, in ca. 14 Sprachen. Jetzt hast du genug von der Sucherei und beschliesst „Learning by Doing“. Es funktioniert und du stellst dir jetzt die Frage, warum du nicht schon beim Zusammenbau einen Versuch unternommen hast.

Warum aber schreibe ich diese tiefgreifende Erkenntnis? Weil ich gerade ein ähnliches Erlebnis hinter mich gebracht habe. Anschliessend habe ich mich aber mit den Gebrauchsanweisungen beschäftigt. Dazu habe ich ein Buch aus meinem Regal gesucht / gefunden. Jetzt wird mir klar, das nicht nur ich ein Problem hatte, sondern das auch die Produktion, die Grafik eines solchen Werks sein Tücken beinhaltet. Nur wer denkt schon daran? In erster Linie sind die Produzenten Schreibtischtäter und Sprachverdreher. Die Konsument*innen gehen oft komplett vergessen. Service nach dem Kauf? Fremdwort. Nicht beabsichtigt.
Oder einfach – Der Aufgabe nicht gewachsen. Das gezeigte Buch ist wohl eine Art Heilmittel – es wirkt.

Archiv · Familie

Luzern, 1928, Fortsetzung Privat-Archiv Teil 3

Meine Grossmutter Fanny belegt in meinem Leben eine grosse Präsenz, bin ich doch in ihrer Obhut fast vollständig aufgewachsen. Sie war es, die eigentlich die ganze Familie zusammen geführt und geleitet hat. Kaufmännisch war mein Grossvater Abry zuständig, für die Richtung der Entwicklung, z.B. meiner Mutter, Oma. Und so ist es auch dazu gekommen, dass Abry seinen Job bei der Luzerner Privat-Bank kündigte und nach Zürich an die Anwandstrasse gezogen ist.

Natürlich war es nicht nur die Liebe, die diesen Entschluss forderte. Oma war mit meiner Mutter schwanger. Ob mein Grossvater dies bereits wusste, als er noch in Luzern lebte, konnte ich nicht in Erfahrung bringen, da das Thema tabu war. Über solches spricht „man“ in einer jüdischen Familie nicht. Dies musste ich auch als Jugendlicher erfahren, als es um Aufklärung ging. Na gut. Ihr kennt das ja. Die Strasse war / ist das grösste Google, oder so …

Wir sind also jetzt einen Schritt weiter gekommen. Stand der Dinge: Opa und Oma wohnen in Zürich, meine Mutter hat sich angekündigt und die wirtschaftliche Zukunft wurde eingeläutet.

Das Foto: Die Örtlichkeit dürfte Luzernern bei näherem Hinschauen bekannt vorkommen. Rechts die Langensandbrücke, Richtung Bundesplatz.